TEO-Teamtage

Eine klasse Gemeinschaft

Mit einiger Verzögerung aufgrund der Corona-Pandemie, fanden von Ende Oktober bis Mitte November nun endlich die Teamtage für die siebten Klassen am Goethe-Gymnasium Ludwigslust statt, da die mittlerweile fest etablierte „Kennenlernwoche“, die am Anfang eines jeden Schuljahres durchgeführt wird, dieses Jahr bekanntlich nicht stattfinden konnte. Aber: aufgeschoben ist nicht aufgehoben und auch wenn sich natürlich schon viele Schülerinnen und Schüler mittlerweile gut eingelebt und kennengelernt haben, waren die Teamtage ein voller Erfolg, denn damit aus einer Klasse eine Klassengemeinschaft erwächst, ist das Kennenlernen erst der Anfang. Begleitet wurden die Teamtage vom engagierten TEO-Team der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland – kurz: Nordkirche – aus Schwerin. Mit frischen pädagogischen Ideen leiteten sie die Klassen durch den Tag und boten genau das, wofür TEO wortgenau steht: „Tage ethischer Orientierung“. In verschiedenen Themenblöcken konnten die Schülerinnen und Schüler spielerisch die Erfahrung machen, dass eine Gemeinschaft weit mehr ausmacht, als die Frage, wie man respektvoll miteinander umgeht. Es geht um Kooperation, Kommunikation, Akzeptanz des Anderen und das Verständnis, dass am Ende jeder Einzelne von den Stärken des Anderen profitiert – wenn man als Team lernt, sich gemeinsam Lösungen zu erarbeiten. Wie das funktionieren kann, zeigte unter anderem die „Springseil-Challenge“. Das Ziel war vermeintlich einfach: das TEO-Team drehte ein riesiges Springseil und die Klasse hatte die Aufgabe, von der einen zur anderen Seite zu gelangen - mit so wenig Schlägen wie möglich. Klingt simpel, war es aber nicht. Es waren viele dutzende Versuche nötig, um von 80 Schlägen auf letztlich nur einen einzigen zu kommen. Was dazwischen passierte war ein Paradebeispiel dafür, dass Kooperation nicht verordnet werden kann, sondern ein kommunikativer gemeinschaftlicher Lernprozess ist, der auch Zeit benötigt. Die Schülerinnen und Schüler haben selbstständig verschiedene Techniken ausprobiert, Fehler gemacht, sich geärgert, waren frustriert und hatten zwischenzeitlich Zweifel am Erfolg. Eine wichtige Erfahrung, denn der Weg zum Erfolg ist bekanntlich selten einfach. Doch der Erfolg kam Stück für Stück, und zwar als Team. Immer weiter wurde die Klassenbestmarke nach unten geschraubt. Es kristallisierten sich unter den Schülerinnen und Schülern unterschiedliche Stärken heraus und es wurde angeregt argumentiert, wie diese Stärken für die Gruppe genutzt werden können. Verbesserungsvorschläge zum Timing und Koordination wurden nun zielgerichtet diskutiert und schnelle „Einzelläufer“ dazu gebracht mit den Anderen im Team zu arbeiten. Kommandos wurden vorgeschlagen und sich gegenseitig unterstützt und motiviert. Viele selbsterarbeitete „Bausteine“ führten letztlich Schritt für Schritt zum Gruppenerfolg. Als die Klasse 7.2 bei mittlerweile nur 5 Schlägen angekommen war, packte sie endgültig der gemeinschaftliche Ehrgeiz und wenig später war es endlich geschafft. „Am Ende haben wir uns gegenseitig vertraut, um es zu schaffen“, analysiert eine Schülerin den entscheidenden Moment, als die Klasse in nur einem Seilschlag das bestmögliche Ergebnis erreichte. Das TEO-Team hielt sich in diesem Prozess dabei ganz bewusst zurück, kritisierte keine „Fehler“ und gab keine Tipps. „Das setzen von vereinzelten Impulsen und Fragen, die die Schülerinnen und Schüler zur Reflexion anregen, ist lerntheoretisch deutlich nachhaltiger als reine Defizitorientierung. Wenn Erwachsene den Kindern sagen, dass dies oder das falsch gewesen sei und so oder so gemacht werden muss, nehmen sie den Kindern wichtige Erfahrungsmöglichkeiten. Bei selbsterarbeiteten Lösungen wird die gesamte Prozesserfahrung abgespeichert und nicht nur ein vorgegebenes Lösungsmuster reproduziert. Das ist sinnstiftend für die Kinder.“, erklärte das TEO-Team zum Abschluss die wirkungsvolle Methodik. Bild und Text: Tony Schroeder