Fotoausstellung

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"Die Steine" treten wieder in Aktion

"Schule ohne Rassismus". Diesen Titel erhielt das Goethe-Gymnasium Ludwigslust am 30.10.2013 und war damit die 25. Schule in MV, die diesen Namen tragen durfte.

Grund dafür war eine erst kleine, dann aber immer größer werdende Schülergruppe mit dem Namen " Die Steine" (der Name ist der Lehrerin und Schulsozialarbeiterin Frau Stein gewidmet, die dieses Projekt erst möglich machte), die bereit war, Rassismus und Diskriminierung die Stirn zu bieten, um die Welt ein wenig besser zu machen. Es war lange harte Arbeit mit einigen Rückschlägen nötig, um das Ziel, den Titel zu bekommen, zu erreichen, doch die Arbeit hat sich gelohnt. Damit war es für "Die Steine" aber noch lange nicht getan. Jedes Schuljahr müssen sie Projekte für die Schule organisieren, die natürlich das Hauptthema Rassismus und Diskriminierung enthalten sollen.

Deshalb plant die Schülergruppe ab Juni diesen Jahres eine Fotoausstellung mit dem Namen "Asyl ist Menschenrecht".

Das Projekt ist eine Kooperation des Regionalzentrums für demokratische Kultur Westmecklenburg mit der SoR-SmC- Gruppe des Goethe-Gymnasiums Ludwigslust.

Ein Einführungsworkshop vermittelte der Gruppe bereits einen Einblick in das Thema Asyl und Zuwanderung. Sie lernten hier Begriffe MigrantIn , AusländerIn oder Flüchtling voneinander zu unterscheiden, die rechtlichen Rahmenbedingungen wie auch Verfahrenswege kennen und setzten sich mit gängigen Vorurteilen, die Menschen mit Migrationshintergrund entgegengebracht werden, auseinander.

Die Ausstellung soll in erster Linie die Schüler des Goethe- Gymnasiums über Themen wie Asyl, Flucht und Flüchtlinge informieren, welche heute aktueller dennje sind und über welche heute immer mehr diskutiert werden.

Leider gibt es dabei immer wieder Vorurteile gegen Flüchtlinge, doch mit diesem Projekt wollen "Die Steine" dem entgegenwirken. Sie wollen ein Zeichen setzen und Stellung beziehen, dass für sie Asylrecht eine Selbstverständlichkeit ist, und dass es für alle anderen eine Selbstverständlichkeit werden sollte.

Um die Ausstellung so authentisch wie möglich zu gestalten, wollte die Gruppe unbedingt den Kontakt mit Flüchtlingen. Mit vorbereiteten Fragen und selbstgebackenem Kuchen empfing sie am 22.4.2015 im Mehrgenerationenhaus Zebef ihre Gäste, sechs Flüchtlinge aus Eritrea, die in der ortsansässigen Gemeinschaftsunterkunft untergebracht sind.

Mit dabei war auch Teshome Toaspern, ein vor mehr als zwanzig Jahren aus Äthiopien nach Deutschland eingereister „Ludwigsluster“, der nicht nur sprachlich Verständnisschwierigkeiten während der Begegnung überbrückte. Die Erzählungen begannen zunächst über ihr Heimatland.

Eritrea ist ein Land im Osten Afrikas, das lange Zeit einen blutigen Unabhängigkeitskrieg führte, der erst 1991 ein Ende fand. Trotz alledem, so erzählte einer der Flüchtlinge, muss das Volk auch heute noch viel leiden. Auch wenn es bereits Schulen in dem Land gibt, findet man diese nur in den Großstädten. Auf den Dörfern bleibt den Menschen die Bildung vollständig untersagt.

Junge Leute werden im Alter von gerade einmal 14-16 Jahren zur Armee gerufen. Allerdings besteht hier ein gewaltiger Unterschied zwischen Deutschlands Bundeswehr und der Armee in Eritrea. "Wer einmal zur Armee geht, hat kaum noch Hoffnung jemals zu seiner Familie zurückkehren zu können", so Paolo, ein 24-jähriger Eritreer. "Deshalb habe ich beschlossen zu fliehen, um diesem Schicksal zu entgehen." Auf die Frage ob er ein konkretes Ziel bei der Flucht hatte und wie er geflohen war, antwortete er: "Wenn du fliehst hast du kein Ziel. Du willst einfach nur weg und überleben. Der Rest spielt für dich keine Rolle mehr. Zuerst versuchst du, in die Nachbarstaaten zu kommen, ohne erwischt zu werden, denn wenn das passiert, ist es vorbei mit deinem Leben. Dann geht es mit einem Transporter durch die Wüste. Normalerweise passen dort nur 4 oder 5 Menschen hinein, doch hier mussten 30 Leute passen. Das heißt, wir lagen alle übereinander. Die Fahrt dauerte 10 Tage lang. Für diese Zeit bekam jeder einen Liter Wasser. Wir fuhren nur nachts, um nicht entdeckt zu werden. Wenn jemand aus dem ruckelnden Wagen hinausfiel, wurde nicht angehalten. Man fuhr einfach weiter. Jeder war sich selbst der nächste. An der Küste des Mittelmeers angekommen, wurden wir für 3 Monate in einen Raum gesperrt. Es waren so viele Menschen darin. Du konntest dich nicht hinsetzen oder hinlegen, um zu schlafen. Du konntest nur darauf warten, dass ein Schlauchboot gefunden wurde, welches dich übers Mittelmeer bringt. Als es soweit war, wurden wir angewiesen, alles abzugeben, was Knöpfe hatte oder spitz war, damit das Boot nicht kaputt ging. Die Fahrt dauerte sieben bis dreizehn Tage ohne etwas zu Essen. Wer nicht mehr ins Boot hineinpasste, wurde einfach ins Wasser geworfen. Das einzige was du tun konntest, ist aufzupassen, dass dir nicht das Selbe geschieht. Als ich schließlich nach Europa kam, wurde ich letztendlich von Deutschland aufgenommen, worüber ich sehr dankbar bin."

Diese Erzählung erschütterte das ganze Team. Eine Schülerin äußerte ihren höchsten Respekt, für das, was diese Leute durchmachen mussten. "Diese Not zu besitzen, gezwungen sein zu müssen, so eine Flucht auf sich zu nehmen und dann noch in ein völlig fremdes Land zu müssen, dessen Sprache man nicht spricht ... ich denke keiner von uns kann sich dass, was Sie alle durchmachen mussten auch nur ansatzweise vorstellen." Trotz alledem gingen alle zum Schluss betroffen aber auch gestärkt aus dieser Unterhaltung. "Den Steinen"  wurde noch einmal deutlich, wofür  sie kämpfen und sie sind entschlossener denn je, solchen Menschen zu helfen und gegen Rassismus vorzugehen. Über das Angebot der Eritreer, weiterhin in Kontakt zu bleiben und sogar gemeinsam zu kochen, freute alle Mitglieder der Gruppe sehr. So viel Freundlichkeit hatten sie nicht erwartet.

Ein großes Dankeschön geht an Herrn Vogel, dem Leiter des Zebef, der uns die Räumlichkeit zur Verfügung stellte.

Dieses Projekt wird sehr spannend und alle wollen diese Eindrücke in die Ausstellung einbauen, damit ihre Mitschüler ein genaues Bild zur Flüchtlingssituation bekommen und Vorurteile endlich ausgeräumt werden.

Sina Knop- Presseclub des Goethe-Gymnasiums Ludwigslust