Zeitzeuge erzählt

DDR-Geschichte auf amerikanisch

Im Rahmen des Geschichtswahlpflichtunterrichtes sprach am 30. April 2015 ein äußerst interessanter Zeitzeuge mit Schülern des Kurses von Herrn Westphal.

John Workman arbeitete als US-Soldat in den 70er Jahren für den amerikanischen Geheimdienst in einer Abhörstation direkt an der Elbe gegenüber von Lenzen. Hier kam es im Januar 1970 zu einem außergewöhnlichen Ereignis. Workman und seine Kameraden wurden in der Nacht von zwei NVA-Soldaten überrascht, die es gewagt hatten, über die zugefrorene Elbe zu flüchten. Ein Grenzer, der mit den Beiden auf Posten ging, blieb zurück.

Workman, der in Deutschland blieb und heute in Gartow an der Elbe wohnt, interessierte sich nach 1990 besonders für das Schicksal des damals zurückgebliebenen Grenzers. Durch Recherchen bei der Stasi- Unterlagenbehörde sowie örtlichen Printmedien konnte er ihn ausfindig machen. Begleitet von einem NDR-Team traf er sich mit ihm um über sein damaliges Schicksal etwas zu erfahren. Wegen Beihilfe zur Republikflucht wurde der Grenzer zu einem Jahr Zuchthaus verurteilt. Dies machte Workman sehr betroffen und nachdenklich, wie er schilderte.

Die Schülerinnen und Schüler erlebten einen sehr humorvollen und gesprächigen Zeitzeugen, der es verstand, sie für die Problematik zu begeistern und interessieren. Alle waren sich einig, dass Herr Workman nicht das letzte Mal im Goethe-Gymnasium weilte.

Torsten Westphal