Landtagsbesuch

Wie kann man Mensch bleiben in einer unmenschlichen Zeit?

Dieser Frage näherten sich unter anderem Schüler der Klasse 11 des Goethe-Gymnasiums Ludwigslust während eines Gesprächs mit der Holocaust-Überlebenden Batsheva Dagan.

„Hört nie auf zu fragen und ganz wichtig, ihr habt immer eine Wahl!“, erinnerte die einstige KZ-Insassin die Gymnasiasten im Plenarsaal des Landtages.

Am 11.September fuhr der Sozialkundekurs nach Schwerin, denn das Land hatte zu einem Jugendprojekttag aufgerufen. Das Thema stand unter dem Motto: „Alles egal oder hast du die Wahl?“

Als Einführung wurde ein Video „Wie gelang es mir zu überleben“ gezeigt, das über das Schicksal der Holocaust-Überlebenden Batsheva Dagan informierte. Die 87-Jährige wurde in Lodz geboren. Als sich jedoch die Nationalsozialisten Polen näherten, flohen sie und ihre Familie nach Radom, um dort auf Schutz zu hoffen. Doch vergebens, sie gelangten in Radom in ein Ghetto und mussten dort versuchen, zu überleben. Früher nannte sich die Polin Isabella Rubinstein. Ihr, der Jüdin, gelang es, mit gefälschten Papieren nach Deutschland ins kleine Städtchen Schwerin zu fliehen. Dort arbeitete sie zwangsverpflichtet als Dienstmädchen. Jedoch wurde sie von der Geheimen Staatspolizei, kurz Gestapo, enttarnt und nach endlos langen Reisen zwischen deutschen Gefängnissen nach Auschwitz deportiert, wo sie Grauenhaftes erlebte. Über das Konzentrationslager Ravensbrück gelangte die damals noch junge Frau in ein Arbeitslager nach Malchow. Dort erlebte sie ihre Befreiung im Mai 1945 durch die Alliierten und zog nach Palästina. Da lebt sie bis heute unter dem Namen Batsheva Dagan und ist als Gastdozentin in Europa, den USA und in Israel tätig.

Nach der spannenden und zugleich traurig ergreifenden Lebensgeschichte wurden die Schüler in fünf verschiedene Workshops eingeteilt. So wurde über Mobbing in der Schule und im Internet nachgedacht, auch die Freiheit oder Sicherheit in Sozialen Netzwerken in Frage gestellt. Marie Eben, eine Schülerin des Goethe-Gymnasiums Ludwigslust, war in der Gruppe „Demokrat oder Extremist“, die sich mit der Demokratie, NPD und der Bedeutung der Kameradschaft beschäftigte. „Also ich habe in dem Workshop erfahren, wie ich mit Nazis umgehen, wie ich ihnen begegnen soll. Denn es gibt verschiedene Arten von Nationalsozialisten. Einmal die 'Werbe - Nazis', die sind aber unwichtig, und zum anderen die wirklich echten Nazis. Wir haben gelernt, dass man denen keine Aufmerksamkeit schenken soll. Einfach ignorieren, dass ist das Beste!“, erklärt die 18-Jährige Schülerin. Ihr Mitschüler Stefan Stoldt fand diesen Tag auch wichtig. „Ich war in der Gruppe 'Mobber oder Opfer?' und habe ebenfalls viel erfahren können. Uns wurde auch ein Video gezeigt, wie man sich besser im Netz schützen kann.“

Am Ende der Workshops fanden sich noch einmal alle Gruppe zusammen, um Ergebnisse und Auswertungen zu präsentieren. Zum Abschluss las Frau Batsheva Dagan ein Gedicht aus ihrem Buch vor und animierte die Schüler noch einmal dazu, dass sie immer denken und für sich alleine entscheiden sollen. „Denn, ihr habt immer eine Wahl!“