Ein Hauch von Frankreich …

Erster Schüleraustausch zwischen den Städten Caen und Ludwiglust

Nachdem sich Deutsche und Franzosen in zwei Weltkriegen feindselig gegenübergestanden hatten, war ein langer Weg nötig gewesen, um diese „Erbfeindschaft“ zu überwinden und ein politisches Paar zu bilden. Mitte April 2018 sollte diese deutsch-französische Freundschaft auch in unserer „Weltstadt“ Ludwigslust zum Ausdruck kommen.

Bevor es jedoch soweit war, hatte Herr Korehnke uns im November 2017 den Vorschlag eines Austauschs mit dem Lycée [entspricht den Klassenstufen 10-12, Anm. d. R.] Victor Hugo zu Caen unterbreitet. Nachdem wir angenommen hatten, mussten Fragebögen ausgefüllt und ansprechende Fotos gefunden werden. Kurz vor Weihnachten dann wurden uns unsere künftigen AustauschpartnerInnnen zugewiesen, so dass die ersten Kontakte bereits geknüpft werden konnten.

Vier Monate später war es soweit: Am späten Abend des 11. April 2018 hielt der Reisebus unserer französischen Freunde in der Garnisonsstraße. Gebannt und voller Aufregung nahmen wir unsere ebenfalls nervösen AustauschschülerInnen in Empfang und verbrachten den ersten Abend in den Familien.

Am Morgen darauf hatten wir dann Gelegenheit, bei einigen Kennlernspielen auch mit den übrigen Gastschülern Bekanntschaft zu schließen. Hierbei waren wir auch gefordert gewesen, die französische Sprache anzuwenden. Unsere Austauschpartner wiederum mussten Deutsch sprechen. Das Sprachchaos war perfekt!

Nach einem ausgiebigen Frühstück in der Schulkantine stellten wir den Franzosen unser kleines Städtchen in ihrer Muttersprache vor. Natürlich geschah auch dies nicht ohne Sorge und Aufregung, doch die Franzosen bedachten unsere Darbietungen mit viel Applaus. Es folgten eine Arbeitssitzung zur mecklenburgischen Geschichte sowie eine Besichtigung des Ludwigsluster Schlosses. Der erste Austauschtag war beendet.

Am darauffolgenden Tag, den 13. April, stand unsere Fahrt mit dem Zug nach Schwerin an. Neben der Schlossführung nutzen wir die Freizeit für ein ausgiebiges Bürgermahl und den Besuch des Kletterparks.

Das Wochenende gestaltete ein Großteil der Gruppe mit einer gemeinsamen Fahrt nach Berlin. Unsere Austauschpartner genossen die Freiheiten in Deutschland, ohne aber über die Strenge zu schlagen. Nach der Besichtigung des Brandenburger Tores und des Reichstags stand eine langanhaltende Shoppingtour auf dem Programm.

Der Rest des Wochenendes wurde unter anderem durch Ausflüge und natürlich durch ausgiebiges Feiern abgeschlossen. … Wer feste arbeitet, darf auch Feste feiern!

Die zweite Arbeitswoche stand ganz im Zeichen der Vorbereitung auf unseren Besuch in der Mahn- und Gedenkstätte Wöbbelin. Dort legten wir am Dienstag Blumen zum Gedenken an die Opfer nieder und setzten uns mit den tragischsten Momenten deutscher Geschichte auseinander. Deutsche wie Franzosen zeigte sich betroffen und hielten inne.

Den Nachmittag aber gestaltete sich wieder in entspannter Atmosphäre: Wie bereits an den Vortagen verbrachte unsere deutsch-französische Gruppe die anschließende freie Zeit im Schlosspark, wobei Volleyball gespielt oder einfach nur erzählt wurde.

Am vorletzten Tag schließlich trafen wir uns wieder in der Schule, um unsere Plakate zum Arbeitsprojekt fertigzustellen. Nach getaner Arbeit ließen wir den Tag beim gemeinsamen Sport und einem netten Grillabend ausklingen, wobei uns unsere Eltern fürstlich bewirteten. Im Anschluss ließen wir Schüler den Abend in einer großen geselligen Runde ausklingen.

Und dann ging es auch schon auf das Ende zu: Am Abend des 19. April 2018 sollte es an dem Ort enden, wo es eine Woche zuvor begonnen hatte. Zahlreiche Küsschen, Umarmungen und das Vergießen von Tränen erschwerten den Abschied. Ein letztes Mal wurden die während der gemeinsamen Zeit erlernten „Dance Moves“ und Songtexte französischer Gangsterrapper sowie vulgärer deutscher Partysongs präsentiert. Die Gastgeschenke wie Toffifees und Schaumküsse wurden verstaut und der letzte französische Austauschschüler bestieg den Bus. Unter dem Ruf „Vérilité, vérilité !“ verließ der Reisebus unserer neuen Freunde Ludwigslust. Bilanzierend meinte Pauline aus der 10.2 über diese Woche: „Eine hervorragende kulturelle und sportliche Erfahrung. Wir haben internationale Freundschaften geschlossen und freuen uns auf das Wiedersehen im September.“

Unser Dankeschön gilt vor allem Herrn Korehnke, der engagiert und hochmotiviert den Austausch organisiert und uns dieses Erlebnis überhaupt erst ermöglicht hat.     

Alexander Wolff, 10.2